Marshall McLuhans Satz: "Das Medium ist die Botschaft" bedeutet Verschiedenes für verschiedene Menschen. In meiner Sicht war immer die Struktur des Mediums gemeint, nicht aber das Medium selbst. Eine Struktur verwirklicht Arbeitsprinzipien oder logische Abläufe. Bei den Massenmedien ist es das Prinzip der zentralisierten, in nur eine Richtung verlaufenden Kommunikation für eine Massenpublikum. Dies ist das wahre Medium: das Prinzip der Kommunikation im Gegensatz zur Konversation. Philosophische gesehen ist es die Logik der gesellschaftlichen Fremdbestimmung gegen jene der Selbstbestimmung. Es spielt keine Rolle, mit welcher Technologie man sie installiert. Das Prinzip selbst ist das Medium.
Institut
für Kommunikation Jürgen Claus ist gefährlich Jürgen
Claus stellte in einem kurzen Vortrag seine Arbeit vor, wozu er Videos zeigte,
die seine Arbeit beschreiben sollten. Es war die Rede von einem
"künstlerischen Expertensystem", das in Zukunft zu bauen sein solle. Das
Ganze mit "Rechnern der 5. Generation" und interaktiven
Echtzeit-Benutzerschnittstellen. Wie sich jedoch in den Videos herausstellte,
hat Claus eine recht romantische, veraltete Vorstellung von diesen Dingen. Die
Videos sind in Werbespot-Dramaturgie und verklären den Zusammenhang
Natur-Licht-Energie auf recht simple Weise. Computer tauchten bei diesen
Konzepten nirgendwo auf und man mußte auch sonst den Eindruck gewinnen,
daß Claus wenig Wissen von der Materie hat, geschweige denn selbst mit
Computern arbeitet. Das Problem ist, daß Jürgen Claus von seiner
Mission sehr überzeugt ist und diese auch wortreich und mit Detailwissen
präsentiert. Er verschafft sich damit verständlicherweise bei
Unkundigen schnell Vertrauen. Tatsächlich wird Jürgen Claus in weiten
Kreisen als Experte in Sachen Computerkunst gehandelt (z.B. Mediapark-Projekt
in Köln). Die Gefahr liegt darin, daß er eine Position erreicht, die
ihn als Ansprechpartner für Förderungen u.ä. ausweist und
daß er damit dem ganzen Bereich der Medienkunst langfristig im Weg steht.
"Du bist einer, der stets die Anleitung liest. Alles, was konstruiert ist,
jedes Stück Technik dient einem bestimmten Zweck. Dient einem Zweck, den
schon jemand erfaßt hat. Aber wenn es 'ne neue Technik ist, eröffnet
sie Möglichkeiten, an die noch keiner gedacht hat. Du studierst die
Bedienungsanleitung, Mann, und probierst nicht rum... Und dir wird ganz
komisch, wenn jemand anders Verwendungen findet, an die du nicht gedacht
hast...sie ist hundertpro die erste, die du kennst, die loslegte und sich in
ein festverdrahtetes Programm übersetzen ließ. Hattest du schlaflose
Nächte, als vor drei, vier Jahren dieser Dingsda, dieser Franzose, der
Autor, das brachte?...Er schreibt nach wie vor, das verrückte dran ist, er
wird schreiben, bis jemand sein Mainframe in die Luft jagt." Ich zuckte
zusammen, schüttelte den Kopf. "Aber das ist nicht er, klar? Ist nur'n
Programm."
"Dort im Zeichner ist das Räderwerk, welches die Bewegung der Egge
bestimmt, und dieses Räderwerk wird nach der Zeichnung, auf welche das
Urteil lautet, angeordnet. Ich verwende noch die Zeichnungen des alten
Kommandanten. Hier sind sie" - erzog einige Blätter aus der Ledertasche -
"ich kann sie Ihnen leider nicht in die Hand geben, sie sind das Teuerste, was
ich habe." ... Der Reisende hätte gern etwas Anerkennendes gesagt, aber er
sah nur labyrinthartige, einander vielfach kreuzende Linien, die so dicht das
Papier bedeckten, daß man nur mit Mühe die weißen
Zwischenräume erkannte. "Lesen Sie", sagte der Offizier. "Ich kann nicht",
sagte der Reisende. ... "Ja", sagte der OIffizier, lachte und steckte die Mappe
wieder ein, "es ist keine Schöpnschrift für Schulkinder. Man
muß lange darin lesen. Auch sie würden es schließlich
gewiß erkennen. Es darf natürlich keine einfache Schrift sein; sie
soll ja nicht sofort töten, sondern durchschnittlich erst in einem
Zeitraum von Zwölf Stunden; für die sechste Stunde ist der Wendepunkt
berechnet. Es müssen also viele, viele Zieraten die eigentliche Schrift
umgeben; die wirkliche Schrift umzieht denLeib nur in einem schmalen
Gürtel; der übrige Körper ist für Verzierungen bestimmt.
... Begreifen Sie den Vorgang? Die Egge fängt zu schreiben an; ist sie mit
der ersten Anlage der Schrift auf dem Rücken des Mannes fertig, rollte die
Watteschicht und wälzt den Körper langsam auf die Seite, um der Egge
neuen Raum zu bieten. Inzwischen legen sich die wundbeschriebenen Stellen auf
die Watte, welche infolge der besonderen Präperierung sofort die Blutung
stillt und zur neuer Vertiefung der Schrift vorbereitet. ... So schreibt sie
immer tiefer die zwölft Stunden lang. Die ersten sechs Stunden lebt der
Verurteilte fast wie früher, er leidet nur Schmerzen. ... Wie still wird
dann aber der Mann um die sechste Stunde! Verstand geht dem Blödesten auf.
Um die Augen beginnt es. Von hier aus verbreitet es sich. Ein Anblick der einen
verführen könnte, sich mit unter die Egge zu legen. Es geschieht ja
weiter nicht, der Mann fängt bloß an, die Schrift zu entziffern, er
spitzt den Mund als horche er. Sie haben es gesehen, es ist nicht leicht, die
Schrift mit den Augen zu entziffern; unser Mann entziffert sie aber mit seinen
Wunden. Es ist allerdings viel Arbeit; er braucht sechs Stunden zu ihrer
Vollendung. Dann aber spießt iohn die Egge vollständig auf und wirft
ihn in die Grube, wo er auf das Blutwasser und die Watte niederklatscht. Dann
ist das Gericht zu Ende, und wir, ich und der Soldat, scharren ihn ein."
die geniöse vorleseleistung eines bekannten großkrikers der
renommierten und filmerfahrenen FRANKFURTER RUNDSCHAU. im gestrigen symposium
des emf las unser erlauchtigkeit neudeutscher ausdrucksblödigkeit und
neo-post-supra-strukturalistischer ausdeutschung, herr ... seine lesung
zeichnete sich weder in rezitatorischer noch inhaltlicher sicht besonders aus.
die erwähnung im pool verdient sie dem unmut des autors, der als
hörer zugegen war. unter dem titel "fairy-tale" oä. stellte unser
meister altbekanntes zum thema kino und die neuen medien vor. seine stimme,
höhlern in der schreibtischluft getrocknet, war wohl artikuliert, jedoch
ohne rezitatorische kraft. vielleicht hat unser kritiker seine sätze
bereits zu oft gelesen? von den jüngern des meisters wurde versichert, sei
seien auch in einer der antiquierten und sinnenfreundlichen formen, der des
buches nachzulesen. (sollte er künftig lieber,. wie ich, im pool
schreiben!). auch der wechsel der stimme trug nic ht dazu bei,
verständlichkeit herzustellen. sein text ist für hörer
schichtweg unverständlich. der zumutung dieser art wenig
widerständig, ließ das publico auch noch seine binsenwahrheiten
unter den unvergesslichen schlagworten von "ökologie der sinne" über
sich ergehen. daß dahinter allein der alte käse der
bewahrpädagogik steckt, die einfach grenzen den medien setzen will, um
einer allgemeinen verseuchung zuvorzukommen, wollte der kritiker bestreiten.
allein, er fand dazu keinerlei erläuterung, wie er es anders meinen
könnte. daß die neuen medien nunmal schlichtweg und per se von
übel seien vermocht ihm niemand auszureden. weiteren quark von
sinnstiftung via medium und der rechtfertigung von medien über sinngehalte
sollte der marxist (?) herr X eigentlich als solchen erkennen. die diskussion
verflüchtigte sich zuerst in einem fragesteller, der die lang ausholende
antwort nicht abzuwarten gedachte, und schließlich entfleuchte unsere
herrlichkeit selbst, darin anschaulich sein unvermögen zur schau stellend,
wie die unmittelbare kommunikationssituation zur klärung differenter
thesen genutzt werden könne. es leben also die neuen medien, denen der
großkritiker selbst nicht einmal ein persönliches gespräch
entgegen- oder auch nur beiseite-zustellen hat. aber er ist schließlich
auch bloß gewohnt zu verlesen und zeitungsspalten zu füllen
(gewiß mit modernster texterfassung, aber darum braucht er sich nicht zu
kümmern). sollte jemand diesem autor eine chance geben wollen, gleiches
oder ähnliches zu tun, erscheint in klammern meine adresse (Huttenstr. 40,
1000 berlin 21). dankbar wäre ich zudem um versicherung, wie wenig eine
Ökologie der Sinne einem notwendigen diskussionsprozeß zu einsatzh
und nutzen der neuen medien dient. sie schiebt doch allein den Schwarzen Peter
in die regelkreise ihrer öko- und sinnessysteme, statt die entscheidenden
macht-gewalt-nutzungs-fragen anzugehen. in diesem sinne für ein
europäisches anti-imperialistisches neue-medien-festival, das
ästhetische und politische vorraussetzung der medien ohne den quark von
gestern zu klären versteht!
Es
ginge die gesprochene Sprache als Vermittlerin zwischen Denken und Schreiben
verloren. Die digitalen Codes sind ideographisch in dem Sinne, daß sie
Begriffe (Ideen) ersichtlich machen. Sie bedeuten, anders als das Alphabet,
keine gesprochenen Laute. Das Denken würde sich beim Programmieren des
vorher alphabetisch Geschriebenen von der Sprache losgelöst haben. Und das
ist entsetzlich.
Schreiben im Sinne einer Aneinanderreihung von Buchstaben und
anderen Schriftzeichen scheint kaum oder überhaupt keine Zukunft zu
haben. Es gibt mittlerweile Codes, die besser als die Schriftzeichen
Informationen übermitteln. ... Und vieles, was bislang nicht geschrieben
werden konnte, ist in diesen neuen Codes notierbar. Kommentar: "Was heißt
denn besser? Exakter, unmißverständlicher Information vermitteln?
Das kann ein mathematisch orientierter Code gewiß. Aber ist er besser?
Einen Computer kann ich damit leicht überreden, Dinge zu tun. Aber einen
Menschen muß ich ganz anders überreden. Ich glaube, diese
öberredungskunst, die zwischen Personen angewandt wird, hat viel mit
Sprachschönheit zu tun. Oder anders: Die Redundanz der Sprache, eigentlich
das öberflüssige am Code, ermöglicht erst den Spaß an der
Informationsvermittlung. In diesem Sinne ist alles an Code besser, das die
Möglichkeiten der Assoziation erweitert. Das heißt nicht, daß
ein Künstler seine eigene Unentschlossenheit oder Ideenlosigkeit jetzt
leichter als Kunst verkaufen soll. Vielmehr erwarte ich, daß er
mindestens EINE Idee hat, die er durch sein Werk ausdrückt,
unabhängig davon, wieviel von dieser Idee und wieviel neue Ideen der
Rezipient daraus bekommt." markus.
CoolPool #1 ......... So let's get cool in the pool (Czukay) Also dieses
hochangepriesene System hat echt noch einige Tücken, die man ihm
schleunigst austreiben sollte. Eine Unsitte sondergleichen ist allein schon
diese augenvergewaltigende Weiß-auf-schwarz-schrift! Mal sehen, wie das
Ganze ausgedruckt aussieht, wahrscheinlich auch nicht allererste Sahne. Aber
wir wollen ja nicht im Voraus lästern, gelle?! l
die
geniöse vorleseleistung eines bekannten großkrikers der renommierten
und filmerfahrenen FRANKFURTER RUNDSCHAU. im gestrigen symposium des emf las
unser erlauchtigkeit neudeutscher ausdrucksblödigkeit und
neo-post-supra-strukturalistischer ausdeutschung, herr ... seine lesung
zeichnete sich weder in rezitatorischer noch inhaltlicher sicht besonders aus.
die erwähnung im pool verdient sie dem unmut des autors, der als
hörer zugegen war. unter dem titel "fairy-tale" oä. stellte unser
meister altbekanntes zum thema kino und die neuen medien vor. seine stimme,
höhlern in der schreibtischluft getrocknet, war wohl artikuliert, jedoch
ohne rezitatorische kraft. vielleicht hat unser kritiker seine sätze
bereits zu oft gelesen? von den jüngern des meisters wurde versichert, sei
seien auch in einer der antiquierten und sinnenfreundlichen formen, der des
buches nachzulesen. (sollte er künftig lieber,. wie ich, im pool
schreiben!). auch der wechsel der stimme trug nic ht dazu bei,
verständlichkeit herzustellen. sein text ist für hörer
schichtweg unverständlich. der zumutung dieser art wenig
widerständig, ließ das publico auch noch seine binsenwahrheiten
unter den unvergesslichen schlagworten von "ökologie der sinne" über
sich ergehen. daß dahinter allein der alte käse der
bewahrpädagogik steckt, die einfach grenzen den medien setzen will, um
einer allgemeinen verseuchung zuvorzukommen, wollte der kritiker bestreiten.
allein, er fand dazu keinerlei erläuterung, wie er es anders meinen
könnte. daß die neuen medien nunmal schlichtweg und per se von
übel seien vermocht ihm niemand auszureden. weiteren quark von
sinnstiftung via medium und der rechtfertigung von medien über sinngehalte
sollte der marxist (?) herr X eigentlich als solchen erkennen. die diskussion
verflüchtigte sich zuerst in einem fragesteller, der die lang ausholende
antwort nicht abzuwarten gedachte, und schließlich entfleuchte unsere
herrlichkeit selbst, darin anschaulich sein unvermögen zur schau stellend,
wie die unmittelbare kommunikationssituation zur klärung differenter
thesen genutzt werden könne. es leben also die neuen medien, denen der
großkritiker selbst nicht einmal ein persönliches gespräch
entgegen- oder auch nur beiseite-zustellen hat. aber er ist schließlich
auch bloß gewohnt zu verlesen und zeitungsspalten zu füllen
(gewiß mit modernster texterfassung, aber darum braucht er sich nicht zu
kümmern). sollte jemand diesem autor eine chance geben wollen, gleiches
oder ähnliches zu tun, erscheint in klammern meine adresse (Huttenstr. 40,
1000 berlin 21). dankbar wäre ich zudem um versicherung, wie wenig eine
Ökologie der Sinne einem notwendigen diskussionsprozeß zu einsatzh
und nutzen der neuen medien dient. sie schiebt doch allein den Schwarzen Peter
in die regelkreise ihrer öko- und sinnessysteme, statt die entscheidenden
macht-gewalt-nutzungs-fragen anzugehen. in diesem sinne für ein
europäisches anti-imperialistisches neue-medien-festival, das
ästhetische und politische vorraussetzung der medien ohne den quark von
gestern zu klären versteht!
Ist
ja alles gut und schön, aber wie das Leben selbst ist auch POOL nicht
perfekt. (Nachtrag von markus: Perfektion ist langweilig! Die Schönheit
liegt in den kleinen Fehlern, im Unvollkommenen!) Deshalb ein paar
Vorschläge fürs nexte Jahr (hoffentlich!): 1. Die Einteilung
Autor/CoAutor/Jahr/Titel ändern. Stattdessen "Autor/CoAutor", "Datum",
"Laufende Eingabe-Nr", "Titel", "Text". DATUM zeigt also das Wann, TITEL wird
im Ausdruck schön fett, und TEXT ist, klaro, das Eigentliche. (Die
Message, wie die Medienhippies sagen würden.) Die Laufende Nummer
müßte vom Apparat kommen, sie soll der Identifizierung der
Beiträge dienen bzw. Reihenfolgen vom gleichen Tag klarstellen. Folglich
müßte dann auch Recherche nach Nr., Titel, Autor, Datum und eben
Text (vielleicht Textanfang? Nee, dann gleich Volltextrecherche) möglich
sein. 2. Das mit den Deskriptoren ist noch zu starr. In begrenzter Zahl sollte
zumindest die unterste Ebene frei definierbar sein. Es wäre auch
hübsch, wenn der Suchbaum grafisch sichtbar wäre. (Ein nettes Bild!)
3. Querverweise. Wäre toll, seinen eigenen Text gleich, wie im Lexikon,
mit "Pfeil Angesprochenes Thema" versehen zu können. Also zu seiner Kritik
einfach den Namen des schlechten Regisseurs setzen, oder einfach den oder die
Bezüge festlegen. Das wäre besser als das jetzige System des
ungenierten énderns fremder Texte, wobei die Autorschaft einzelner
Sätze ja unklar bleibt. Soweit für heute.
EMF-Special Also, Pool-Processing hin oder her, geil ode nich' so, den grossen
Haufen an schwachsinnigen Filmen und hirnlosen Performances kann keiner
weglöschen. 11 Tage gebündelter Unfug kann von den Organisatoren
(hallo Sauser) gegenüber so kooperativen Kräften wie dem Autor
dieses Textes nur durch ein üppiges Menue in einem Restaurant freier Wahl
mit Blankoverzehr ausgeglichen werden. Mir fallen da Deskriptoren wie
ALDERMANN, LANDGRAF oder meinethalben auch MARABOU ein.
man
muss mcluhan's bemerkungen über den einfluss der schrift auf das
menschliche denken vor dem hintergrund der sozialen kybernetik halten. wenn der
schritt vom ideogramm zum alphabet ganz gewiss auch ein teil der verwandlung
von sprache in information ist, so bedeutet ebendies eben einen machtzuwachs
des staats: alles geschriebene ist vorschrift, der buchstabe des gesetzes erst
realisiert die wirklichkeit, ruft sie durch beschreibung erst ins leben
(d.h.macht sie sichtbar durch etikettierung, d.h. schilderung), liefert die
authentische interpretation. die schrift ist heilig, sie kommt von den
göttern;
Tatsächlich ist es der Betrachte, der über
Retrievalprogramm entscheidet, es ist der Betrachter, der das Kunstwerk so
sichtbar werden läßt, wie es der Fall ist. Seine Beobachtungen,
seine Gegenwart geben dem Kunstwerk die Gestalt. Das Kunstwerk resultiert aus
der Interaktion zwischen dem Betrachter und den Spezifikationen des
betrachteten, vom Medienkünstler entworfenen Systems. Diese Struktur
weist in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte énlichkeit mit der
Quantentheorie auf: Die Physik Newtons ging von einer objektiven und neutralen
Realität "da draußen" gegenüber dem Ich "hier" aus. Die
Quantentheorie beschreibt den Betrachter als integralen Bestandteil eines
wissenschaftlichen Eperiments, als Teil der "Realität". Etwas wie "da
draußen" und "hier drinnen" gibt es nicht. Es gibt ein Raum/
Zeit-Kontinuum, ein allumfassendes Quantenfeld.
Eine Maschine funktioniert gemäß den vorgegebenen Beziehungen ihrer
Struktur und der Anordnung ihrer Teile, stellt sich aber ebensowenig selbst
auf, wie sie sich erschafft. Dies ist es doch gerade, was gewöhnlich die
Polemik zwischen Vitalisten und Mechanisten anheizt: daß die Maschine
imstande ist, vom Funktionieren des Organismus Rechenschaft abzulegen, aber
zutiefst unfähig ist, seine Entstehung und Bildung zu erklären. Der
Mechanismus abstrahiert von der Maschine eine strukturale Einheit, mittels
deren er das Funktionieren des Organismus expliziert. der Vitalsmus macht eine
individuelle und spezifische Einheit des Lebendigen geltend, die jede Maschine
voraussetzt, insofern diese sich der organischen Dauer unterordnet und deren
autonome Formationen nach Außen verlängert.
Die Zaibatsus, sagte Fox, die Multis. Zaibatsus leben durch Information, nicht
durch Personen. Die Struktur ist vom Leben der Einzelwesen, die sie ausmachen,
unabhängiog. Konzern als Lebensform.
Die
ganze Logik des Baumes ist eine Logik der Kopie und der Reproduktion. Sie
beschränkt sich darauf, was je schon gegeben ist, von einer
überkodierten Struktur oder stützenden Achse aus zu kopieren. Der
Baum artikuliert und hierarchisiert die Kopien, die Kopien sind sozusagen die
Blätter des Baumes. Ganz anders das Rhizom:e s i s t K a r t e , und
nicht K o p i e. Karten, nicht Kopien machen ! ... Wenn die Karte der Kopie
entgegengesetzt ist, so deshalb, weil sie ganz und gar dem Experiment als
Eingriff in die Wirklichkeit zugewandt ist. Die Karte reproduziert nicht ein in
sich geschlossenes Unbewußtes, sondern konstruiert es. Die Karte ist
offen, sie kann in allen ihren Dimensionen verbunden, demontiert und umgebaut
werden, sie ist ständig modifizierbar. Man kann sie zerreißen und
umkehren; sie kann sich Montagen aller Art anpassen; man kann sie auf Mauern
zeichnen, als Kunstwerk begreifen, als politische Aktion oder als Meditation
konstruieren. Vielleicht ist es eines der wichtigsten Merkmale des Rhizoms,
viele Eingänge zu haben.
Die neuen digitalen Informationsspeicher erinnern zwar in ihren Bezeichnungen
noch an die alten Archive und Bibliotheken, täuschen aber geraden in
diesen Benennungen über den Ort und die Struktur des Wissens, vor allem
aber über den Zugang zu diesem. ... Der ORT des Wissens ist heute, obwohl
man den Standpunkt der einzelnen Datenbanken und Großrechner
räumlich fixieren könnte, nicht mehr so eindeutig bestimmbar wie zu
einer Zeit, als Bibliotheken noch hinter dicken Mauern und Verboten "ruhten".
Jede Datenbank und darin jeder Registerplatz ist Ort und gleichzeitig Verweis-
und Knotenpunkt zu anderen Orten und anderen Datenbanken. Durch diese
Netzstruktur ist es möglich, von seinem Terminal in Deutschland die
National Library in Washington zu besuchen..
Unsere Gesellschaft nimmt die Struktur oder die Merkmale einer Maschine an oder
tendiert doch dazu. Die Maschine duldet nicht, daß ihre Herrschaft nicht
universal ist und daß es noch Wesen gibt, die nichts mit ihrer Aktion zu
tun haben, die nicht in ihr Funktionieren einbezogen sind. Die Exaktheit, die
ihr Wesen bestimmt, kann weder das Vage noch die soziale Laune tolerieren. Sie
kann nicht zulassen, daß jemand übrigbleibt, dessen Rolle und
Existenzbedingungen nicht genau definiert sind. Sie tendiert dahin, die in
ihren Augen unbestimmten Individuen zu eleminieren und die anderen neu zu
ordnen, ohne Rücksicht auf die Vergangenheit oder gar auf die Zukunft der
Gattung." (Paul Valery)
Marshall McLuhans Satz: "Das Medium ist die Botschaft" bedeutet
Verschiedenes für verschiedene Menschen. In meiner Sicht war immer die
Struktur des Mediums gemeint, nicht aber das Medium selbst. Eine Struktur
verwirklicht Arbeitsprinzipien oder logische Abläufe. Bei den Massenmedien
ist es das Prinzip der zentralisierten, in nur eine Richtung verlaufenden
Kommunikation für eine Massenpublikum. Dies ist das wahre Medium: das
Prinzip der Kommunikation im Gegensatz zur Konversation. Philosophische gesehen
ist es die Logik der gesellschaftlichen Fremdbestimmung gegen jene der
Selbstbestimmung. Es spielt keine Rolle, mit welcher Technologie man sie
installiert. Das Prinzip selbst ist das Medium.