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Exporte aus der ,,imaginären Bibliothek"


Weibel, Peter

Marshall McLuhans Satz: "Das Medium ist die Botschaft" bedeutet Verschiedenes für verschiedene Menschen. In meiner Sicht war immer die Struktur des Mediums gemeint, nicht aber das Medium selbst. Eine Struktur verwirklicht Arbeitsprinzipien oder logische Abläufe. Bei den Massenmedien ist es das Prinzip der zentralisierten, in nur eine Richtung verlaufenden Kommunikation für eine Massenpublikum. Dies ist das wahre Medium: das Prinzip der Kommunikation im Gegensatz zur Konversation. Philosophische gesehen ist es die Logik der gesellschaftlichen Fremdbestimmung gegen jene der Selbstbestimmung. Es spielt keine Rolle, mit welcher Technologie man sie installiert. Das Prinzip selbst ist das Medium.

Bernd von den Brincken

Institut für Kommunikation Jürgen Claus ist gefährlich Jürgen Claus stellte in einem kurzen Vortrag seine Arbeit vor, wozu er Videos zeigte, die seine Arbeit beschreiben sollten. Es war die Rede von einem "künstlerischen Expertensystem", das in Zukunft zu bauen sein solle. Das Ganze mit "Rechnern der 5. Generation" und interaktiven Echtzeit-Benutzerschnittstellen. Wie sich jedoch in den Videos herausstellte, hat Claus eine recht romantische, veraltete Vorstellung von diesen Dingen. Die Videos sind in Werbespot-Dramaturgie und verklären den Zusammenhang Natur-Licht-Energie auf recht simple Weise. Computer tauchten bei diesen Konzepten nirgendwo auf und man mußte auch sonst den Eindruck gewinnen, daß Claus wenig Wissen von der Materie hat, geschweige denn selbst mit Computern arbeitet. Das Problem ist, daß Jürgen Claus von seiner Mission sehr überzeugt ist und diese auch wortreich und mit Detailwissen präsentiert. Er verschafft sich damit verständlicherweise bei Unkundigen schnell Vertrauen. Tatsächlich wird Jürgen Claus in weiten Kreisen als Experte in Sachen Computerkunst gehandelt (z.B. Mediapark-Projekt in Köln). Die Gefahr liegt darin, daß er eine Position erreicht, die ihn als Ansprechpartner für Förderungen u.ä. ausweist und daß er damit dem ganzen Bereich der Medienkunst langfristig im Weg steht.

Gibson, William

"Du bist einer, der stets die Anleitung liest. Alles, was konstruiert ist, jedes Stück Technik dient einem bestimmten Zweck. Dient einem Zweck, den schon jemand erfaßt hat. Aber wenn es 'ne neue Technik ist, eröffnet sie Möglichkeiten, an die noch keiner gedacht hat. Du studierst die Bedienungsanleitung, Mann, und probierst nicht rum... Und dir wird ganz komisch, wenn jemand anders Verwendungen findet, an die du nicht gedacht hast...sie ist hundertpro die erste, die du kennst, die loslegte und sich in ein festverdrahtetes Programm übersetzen ließ. Hattest du schlaflose Nächte, als vor drei, vier Jahren dieser Dingsda, dieser Franzose, der Autor, das brachte?...Er schreibt nach wie vor, das verrückte dran ist, er wird schreiben, bis jemand sein Mainframe in die Luft jagt." Ich zuckte zusammen, schüttelte den Kopf. "Aber das ist nicht er, klar? Ist nur'n Programm."

Kafka, Franz

"Dort im Zeichner ist das Räderwerk, welches die Bewegung der Egge bestimmt, und dieses Räderwerk wird nach der Zeichnung, auf welche das Urteil lautet, angeordnet. Ich verwende noch die Zeichnungen des alten Kommandanten. Hier sind sie" - erzog einige Blätter aus der Ledertasche - "ich kann sie Ihnen leider nicht in die Hand geben, sie sind das Teuerste, was ich habe." ... Der Reisende hätte gern etwas Anerkennendes gesagt, aber er sah nur labyrinthartige, einander vielfach kreuzende Linien, die so dicht das Papier bedeckten, daß man nur mit Mühe die weißen Zwischenräume erkannte. "Lesen Sie", sagte der Offizier. "Ich kann nicht", sagte der Reisende. ... "Ja", sagte der OIffizier, lachte und steckte die Mappe wieder ein, "es ist keine Schöpnschrift für Schulkinder. Man muß lange darin lesen. Auch sie würden es schließlich gewiß erkennen. Es darf natürlich keine einfache Schrift sein; sie soll ja nicht sofort töten, sondern durchschnittlich erst in einem Zeitraum von Zwölf Stunden; für die sechste Stunde ist der Wendepunkt berechnet. Es müssen also viele, viele Zieraten die eigentliche Schrift umgeben; die wirkliche Schrift umzieht denLeib nur in einem schmalen Gürtel; der übrige Körper ist für Verzierungen bestimmt. ... Begreifen Sie den Vorgang? Die Egge fängt zu schreiben an; ist sie mit der ersten Anlage der Schrift auf dem Rücken des Mannes fertig, rollte die Watteschicht und wälzt den Körper langsam auf die Seite, um der Egge neuen Raum zu bieten. Inzwischen legen sich die wundbeschriebenen Stellen auf die Watte, welche infolge der besonderen Präperierung sofort die Blutung stillt und zur neuer Vertiefung der Schrift vorbereitet. ... So schreibt sie immer tiefer die zwölft Stunden lang. Die ersten sechs Stunden lebt der Verurteilte fast wie früher, er leidet nur Schmerzen. ... Wie still wird dann aber der Mann um die sechste Stunde! Verstand geht dem Blödesten auf. Um die Augen beginnt es. Von hier aus verbreitet es sich. Ein Anblick der einen verführen könnte, sich mit unter die Egge zu legen. Es geschieht ja weiter nicht, der Mann fängt bloß an, die Schrift zu entziffern, er spitzt den Mund als horche er. Sie haben es gesehen, es ist nicht leicht, die Schrift mit den Augen zu entziffern; unser Mann entziffert sie aber mit seinen Wunden. Es ist allerdings viel Arbeit; er braucht sechs Stunden zu ihrer Vollendung. Dann aber spießt iohn die Egge vollständig auf und wirft ihn in die Grube, wo er auf das Blutwasser und die Watte niederklatscht. Dann ist das Gericht zu Ende, und wir, ich und der Soldat, scharren ihn ein."

krebs, h

die geniöse vorleseleistung eines bekannten großkrikers der renommierten und filmerfahrenen FRANKFURTER RUNDSCHAU. im gestrigen symposium des emf las unser erlauchtigkeit neudeutscher ausdrucksblödigkeit und neo-post-supra-strukturalistischer ausdeutschung, herr ... seine lesung zeichnete sich weder in rezitatorischer noch inhaltlicher sicht besonders aus. die erwähnung im pool verdient sie dem unmut des autors, der als hörer zugegen war. unter dem titel "fairy-tale" oä. stellte unser meister altbekanntes zum thema kino und die neuen medien vor. seine stimme, höhlern in der schreibtischluft getrocknet, war wohl artikuliert, jedoch ohne rezitatorische kraft. vielleicht hat unser kritiker seine sätze bereits zu oft gelesen? von den jüngern des meisters wurde versichert, sei seien auch in einer der antiquierten und sinnenfreundlichen formen, der des buches nachzulesen. (sollte er künftig lieber,. wie ich, im pool schreiben!). auch der wechsel der stimme trug nic ht dazu bei, verständlichkeit herzustellen. sein text ist für hörer schichtweg unverständlich. der zumutung dieser art wenig widerständig, ließ das publico auch noch seine binsenwahrheiten unter den unvergesslichen schlagworten von "ökologie der sinne" über sich ergehen. daß dahinter allein der alte käse der bewahrpädagogik steckt, die einfach grenzen den medien setzen will, um einer allgemeinen verseuchung zuvorzukommen, wollte der kritiker bestreiten. allein, er fand dazu keinerlei erläuterung, wie er es anders meinen könnte. daß die neuen medien nunmal schlichtweg und per se von übel seien vermocht ihm niemand auszureden. weiteren quark von sinnstiftung via medium und der rechtfertigung von medien über sinngehalte sollte der marxist (?) herr X eigentlich als solchen erkennen. die diskussion verflüchtigte sich zuerst in einem fragesteller, der die lang ausholende antwort nicht abzuwarten gedachte, und schließlich entfleuchte unsere herrlichkeit selbst, darin anschaulich sein unvermögen zur schau stellend, wie die unmittelbare kommunikationssituation zur klärung differenter thesen genutzt werden könne. es leben also die neuen medien, denen der großkritiker selbst nicht einmal ein persönliches gespräch entgegen- oder auch nur beiseite-zustellen hat. aber er ist schließlich auch bloß gewohnt zu verlesen und zeitungsspalten zu füllen (gewiß mit modernster texterfassung, aber darum braucht er sich nicht zu kümmern). sollte jemand diesem autor eine chance geben wollen, gleiches oder ähnliches zu tun, erscheint in klammern meine adresse (Huttenstr. 40, 1000 berlin 21). dankbar wäre ich zudem um versicherung, wie wenig eine Ökologie der Sinne einem notwendigen diskussionsprozeß zu einsatzh und nutzen der neuen medien dient. sie schiebt doch allein den Schwarzen Peter in die regelkreise ihrer öko- und sinnessysteme, statt die entscheidenden macht-gewalt-nutzungs-fragen anzugehen. in diesem sinne für ein europäisches anti-imperialistisches neue-medien-festival, das ästhetische und politische vorraussetzung der medien ohne den quark von gestern zu klären versteht!

Flusser, Vilem:

Es ginge die gesprochene Sprache als Vermittlerin zwischen Denken und Schreiben verloren. Die digitalen Codes sind ideographisch in dem Sinne, daß sie Begriffe (Ideen) ersichtlich machen. Sie bedeuten, anders als das Alphabet, keine gesprochenen Laute. Das Denken würde sich beim Programmieren des vorher alphabetisch Geschriebenen von der Sprache losgelöst haben. Und das ist entsetzlich.


Flusser, Vilem

Flusser, Vilem

Schreiben im Sinne einer Aneinanderreihung von Buchstaben und anderen Schriftzeichen scheint kaum oder überhaupt keine Zukunft zu haben. Es gibt mittlerweile Codes, die besser als die Schriftzeichen Informationen übermitteln. ... Und vieles, was bislang nicht geschrieben werden konnte, ist in diesen neuen Codes notierbar. Kommentar: "Was heißt denn besser? Exakter, unmißverständlicher Information vermitteln? Das kann ein mathematisch orientierter Code gewiß. Aber ist er besser? Einen Computer kann ich damit leicht überreden, Dinge zu tun. Aber einen Menschen muß ich ganz anders überreden. Ich glaube, diese öberredungskunst, die zwischen Personen angewandt wird, hat viel mit Sprachschönheit zu tun. Oder anders: Die Redundanz der Sprache, eigentlich das öberflüssige am Code, ermöglicht erst den Spaß an der Informationsvermittlung. In diesem Sinne ist alles an Code besser, das die Möglichkeiten der Assoziation erweitert. Das heißt nicht, daß ein Künstler seine eigene Unentschlossenheit oder Ideenlosigkeit jetzt leichter als Kunst verkaufen soll. Vielmehr erwarte ich, daß er mindestens EINE Idee hat, die er durch sein Werk ausdrückt, unabhängig davon, wieviel von dieser Idee und wieviel neue Ideen der Rezipient daraus bekommt." markus.


unbekannt

unbekannt

CoolPool #1 ......... So let's get cool in the pool (Czukay) Also dieses hochangepriesene System hat echt noch einige Tücken, die man ihm schleunigst austreiben sollte. Eine Unsitte sondergleichen ist allein schon diese augenvergewaltigende Weiß-auf-schwarz-schrift! Mal sehen, wie das Ganze ausgedruckt aussieht, wahrscheinlich auch nicht allererste Sahne. Aber wir wollen ja nicht im Voraus lästern, gelle?! l

krebs, h

die geniöse vorleseleistung eines bekannten großkrikers der renommierten und filmerfahrenen FRANKFURTER RUNDSCHAU. im gestrigen symposium des emf las unser erlauchtigkeit neudeutscher ausdrucksblödigkeit und neo-post-supra-strukturalistischer ausdeutschung, herr ... seine lesung zeichnete sich weder in rezitatorischer noch inhaltlicher sicht besonders aus. die erwähnung im pool verdient sie dem unmut des autors, der als hörer zugegen war. unter dem titel "fairy-tale" oä. stellte unser meister altbekanntes zum thema kino und die neuen medien vor. seine stimme, höhlern in der schreibtischluft getrocknet, war wohl artikuliert, jedoch ohne rezitatorische kraft. vielleicht hat unser kritiker seine sätze bereits zu oft gelesen? von den jüngern des meisters wurde versichert, sei seien auch in einer der antiquierten und sinnenfreundlichen formen, der des buches nachzulesen. (sollte er künftig lieber,. wie ich, im pool schreiben!). auch der wechsel der stimme trug nic ht dazu bei, verständlichkeit herzustellen. sein text ist für hörer schichtweg unverständlich. der zumutung dieser art wenig widerständig, ließ das publico auch noch seine binsenwahrheiten unter den unvergesslichen schlagworten von "ökologie der sinne" über sich ergehen. daß dahinter allein der alte käse der bewahrpädagogik steckt, die einfach grenzen den medien setzen will, um einer allgemeinen verseuchung zuvorzukommen, wollte der kritiker bestreiten. allein, er fand dazu keinerlei erläuterung, wie er es anders meinen könnte. daß die neuen medien nunmal schlichtweg und per se von übel seien vermocht ihm niemand auszureden. weiteren quark von sinnstiftung via medium und der rechtfertigung von medien über sinngehalte sollte der marxist (?) herr X eigentlich als solchen erkennen. die diskussion verflüchtigte sich zuerst in einem fragesteller, der die lang ausholende antwort nicht abzuwarten gedachte, und schließlich entfleuchte unsere herrlichkeit selbst, darin anschaulich sein unvermögen zur schau stellend, wie die unmittelbare kommunikationssituation zur klärung differenter thesen genutzt werden könne. es leben also die neuen medien, denen der großkritiker selbst nicht einmal ein persönliches gespräch entgegen- oder auch nur beiseite-zustellen hat. aber er ist schließlich auch bloß gewohnt zu verlesen und zeitungsspalten zu füllen (gewiß mit modernster texterfassung, aber darum braucht er sich nicht zu kümmern). sollte jemand diesem autor eine chance geben wollen, gleiches oder ähnliches zu tun, erscheint in klammern meine adresse (Huttenstr. 40, 1000 berlin 21). dankbar wäre ich zudem um versicherung, wie wenig eine Ökologie der Sinne einem notwendigen diskussionsprozeß zu einsatzh und nutzen der neuen medien dient. sie schiebt doch allein den Schwarzen Peter in die regelkreise ihrer öko- und sinnessysteme, statt die entscheidenden macht-gewalt-nutzungs-fragen anzugehen. in diesem sinne für ein europäisches anti-imperialistisches neue-medien-festival, das ästhetische und politische vorraussetzung der medien ohne den quark von gestern zu klären versteht!

Scotty - - -

Ist ja alles gut und schön, aber wie das Leben selbst ist auch POOL nicht perfekt. (Nachtrag von markus: Perfektion ist langweilig! Die Schönheit liegt in den kleinen Fehlern, im Unvollkommenen!) Deshalb ein paar Vorschläge fürs nexte Jahr (hoffentlich!): 1. Die Einteilung Autor/CoAutor/Jahr/Titel ändern. Stattdessen "Autor/CoAutor", "Datum", "Laufende Eingabe-Nr", "Titel", "Text". DATUM zeigt also das Wann, TITEL wird im Ausdruck schön fett, und TEXT ist, klaro, das Eigentliche. (Die Message, wie die Medienhippies sagen würden.) Die Laufende Nummer müßte vom Apparat kommen, sie soll der Identifizierung der Beiträge dienen bzw. Reihenfolgen vom gleichen Tag klarstellen. Folglich müßte dann auch Recherche nach Nr., Titel, Autor, Datum und eben Text (vielleicht Textanfang? Nee, dann gleich Volltextrecherche) möglich sein. 2. Das mit den Deskriptoren ist noch zu starr. In begrenzter Zahl sollte zumindest die unterste Ebene frei definierbar sein. Es wäre auch hübsch, wenn der Suchbaum grafisch sichtbar wäre. (Ein nettes Bild!) 3. Querverweise. Wäre toll, seinen eigenen Text gleich, wie im Lexikon, mit "Pfeil Angesprochenes Thema" versehen zu können. Also zu seiner Kritik einfach den Namen des schlechten Regisseurs setzen, oder einfach den oder die Bezüge festlegen. Das wäre besser als das jetzige System des ungenierten énderns fremder Texte, wobei die Autorschaft einzelner Sätze ja unklar bleibt. Soweit für heute.

Tom Bola

EMF-Special Also, Pool-Processing hin oder her, geil ode nich' so, den grossen Haufen an schwachsinnigen Filmen und hirnlosen Performances kann keiner weglöschen. 11 Tage gebündelter Unfug kann von den Organisatoren (hallo Sauser) gegenüber so kooperativen Kräften wie dem Autor dieses Textes nur durch ein üppiges Menue in einem Restaurant freier Wahl mit Blankoverzehr ausgeglichen werden. Mir fallen da Deskriptoren wie ALDERMANN, LANDGRAF oder meinethalben auch MARABOU ein.

Wiener, Oswald

man muss mcluhan's bemerkungen über den einfluss der schrift auf das menschliche denken vor dem hintergrund der sozialen kybernetik halten. wenn der schritt vom ideogramm zum alphabet ganz gewiss auch ein teil der verwandlung von sprache in information ist, so bedeutet ebendies eben einen machtzuwachs des staats: alles geschriebene ist vorschrift, der buchstabe des gesetzes erst realisiert die wirklichkeit, ruft sie durch beschreibung erst ins leben (d.h.macht sie sichtbar durch etikettierung, d.h. schilderung), liefert die authentische interpretation. die schrift ist heilig, sie kommt von den göttern;

MAD

Tatsächlich ist es der Betrachte, der über Retrievalprogramm entscheidet, es ist der Betrachter, der das Kunstwerk so sichtbar werden läßt, wie es der Fall ist. Seine Beobachtungen, seine Gegenwart geben dem Kunstwerk die Gestalt. Das Kunstwerk resultiert aus der Interaktion zwischen dem Betrachter und den Spezifikationen des betrachteten, vom Medienkünstler entworfenen Systems. Diese Struktur weist in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte énlichkeit mit der Quantentheorie auf: Die Physik Newtons ging von einer objektiven und neutralen Realität "da draußen" gegenüber dem Ich "hier" aus. Die Quantentheorie beschreibt den Betrachter als integralen Bestandteil eines wissenschaftlichen Eperiments, als Teil der "Realität". Etwas wie "da draußen" und "hier drinnen" gibt es nicht. Es gibt ein Raum/ Zeit-Kontinuum, ein allumfassendes Quantenfeld.

Deleuze; Guattari

Eine Maschine funktioniert gemäß den vorgegebenen Beziehungen ihrer Struktur und der Anordnung ihrer Teile, stellt sich aber ebensowenig selbst auf, wie sie sich erschafft. Dies ist es doch gerade, was gewöhnlich die Polemik zwischen Vitalisten und Mechanisten anheizt: daß die Maschine imstande ist, vom Funktionieren des Organismus Rechenschaft abzulegen, aber zutiefst unfähig ist, seine Entstehung und Bildung zu erklären. Der Mechanismus abstrahiert von der Maschine eine strukturale Einheit, mittels deren er das Funktionieren des Organismus expliziert. der Vitalsmus macht eine individuelle und spezifische Einheit des Lebendigen geltend, die jede Maschine voraussetzt, insofern diese sich der organischen Dauer unterordnet und deren autonome Formationen nach Außen verlängert.

Gibson, William

Die Zaibatsus, sagte Fox, die Multis. Zaibatsus leben durch Information, nicht durch Personen. Die Struktur ist vom Leben der Einzelwesen, die sie ausmachen, unabhängiog. Konzern als Lebensform.

Deleuze; Guattari

Die ganze Logik des Baumes ist eine Logik der Kopie und der Reproduktion. Sie beschränkt sich darauf, was je schon gegeben ist, von einer überkodierten Struktur oder stützenden Achse aus zu kopieren. Der Baum artikuliert und hierarchisiert die Kopien, die Kopien sind sozusagen die Blätter des Baumes. Ganz anders das Rhizom:e s i s t K a r t e , und nicht K o p i e. Karten, nicht Kopien machen ! ... Wenn die Karte der Kopie entgegengesetzt ist, so deshalb, weil sie ganz und gar dem Experiment als Eingriff in die Wirklichkeit zugewandt ist. Die Karte reproduziert nicht ein in sich geschlossenes Unbewußtes, sondern konstruiert es. Die Karte ist offen, sie kann in allen ihren Dimensionen verbunden, demontiert und umgebaut werden, sie ist ständig modifizierbar. Man kann sie zerreißen und umkehren; sie kann sich Montagen aller Art anpassen; man kann sie auf Mauern zeichnen, als Kunstwerk begreifen, als politische Aktion oder als Meditation konstruieren. Vielleicht ist es eines der wichtigsten Merkmale des Rhizoms, viele Eingänge zu haben.

Halbach, Kurt

Die neuen digitalen Informationsspeicher erinnern zwar in ihren Bezeichnungen noch an die alten Archive und Bibliotheken, täuschen aber geraden in diesen Benennungen über den Ort und die Struktur des Wissens, vor allem aber über den Zugang zu diesem. ... Der ORT des Wissens ist heute, obwohl man den Standpunkt der einzelnen Datenbanken und Großrechner räumlich fixieren könnte, nicht mehr so eindeutig bestimmbar wie zu einer Zeit, als Bibliotheken noch hinter dicken Mauern und Verboten "ruhten". Jede Datenbank und darin jeder Registerplatz ist Ort und gleichzeitig Verweis- und Knotenpunkt zu anderen Orten und anderen Datenbanken. Durch diese Netzstruktur ist es möglich, von seinem Terminal in Deutschland die National Library in Washington zu besuchen..

Moles, Abraham A.

Unsere Gesellschaft nimmt die Struktur oder die Merkmale einer Maschine an oder tendiert doch dazu. Die Maschine duldet nicht, daß ihre Herrschaft nicht universal ist und daß es noch Wesen gibt, die nichts mit ihrer Aktion zu tun haben, die nicht in ihr Funktionieren einbezogen sind. Die Exaktheit, die ihr Wesen bestimmt, kann weder das Vage noch die soziale Laune tolerieren. Sie kann nicht zulassen, daß jemand übrigbleibt, dessen Rolle und Existenzbedingungen nicht genau definiert sind. Sie tendiert dahin, die in ihren Augen unbestimmten Individuen zu eleminieren und die anderen neu zu ordnen, ohne Rücksicht auf die Vergangenheit oder gar auf die Zukunft der Gattung." (Paul Valery)

Weibel, Peter

Marshall McLuhans Satz: "Das Medium ist die Botschaft" bedeutet Verschiedenes für verschiedene Menschen. In meiner Sicht war immer die Struktur des Mediums gemeint, nicht aber das Medium selbst. Eine Struktur verwirklicht Arbeitsprinzipien oder logische Abläufe. Bei den Massenmedien ist es das Prinzip der zentralisierten, in nur eine Richtung verlaufenden Kommunikation für eine Massenpublikum. Dies ist das wahre Medium: das Prinzip der Kommunikation im Gegensatz zur Konversation. Philosophische gesehen ist es die Logik der gesellschaftlichen Fremdbestimmung gegen jene der Selbstbestimmung. Es spielt keine Rolle, mit welcher Technologie man sie installiert. Das Prinzip selbst ist das Medium.


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