"Alle Dokumente aus einem oder über ein Zeitalter, über Listen, Listen Karteikästen, Computerkataloge zugänglich gemacht, bilden zusammen mit materiellen Vorkehrungen wie Büchsen, Mappen, Dosen und Kästen und verschiedenen Lesegeräten eine 'Zeitmaschine'. Spätere Generationen werden hiermit zu ihrer Interpretation ihrer Vergangenheit gelangen und diese wiederum dem wachsenden Informationsstrom hinzufügen [...]. Die Primärquellen einer Zeit sind immer das Wichtigste. [...] Bereits in den 70er Jahren kam die Idee auf, daß Information, die eine direkte Verbindung mit dem Underground hatte [...] universell verfügbar sein müsse. [...] Die Tatsache, daß einige Dokumente massenhaft über das Netz verbreitet werden, bedeutet noch nicht, daß man sie später massenhaft vorfindet. Das gilt von den ersten gedruckten Bibeln aus dem späten Mittelalter bis zur Schundliteratur von heute. Das ist der Grund für ein neues Projekt, für ein Wide Area Archive & Library (Arbeitstitel) am IISG[19]. Ziel ist es, einen Teil der auf dem Netz verfügbaren und für Sozialgeschichte relevanten Informationen zu bewahren. [...] Das dafür gewählte Speichermedium ist die CD-ROM [...]. Es geht darum, die traditionellen Methoden zur Erschließung von Informationen diesen enormen digitalen Informationsbeständen mittels automatischer oder halbautomatischer Methoden anzupassen. [...] Auf welchem Träger die eine Generation ihre Daten letztlich an die folgende weitergibt, ist nicht mehr wichtig. Wir sammeln nicht länger den Träger - Tontafeln, Bücher, Floppies, CD-ROM oder DVD-ROM, sondern die Information. [...] Zu sehr wird das Sammeln, Archivieren und Erschließen als ein rein technisches Problem betrachtet. Unermüdliche Info-Robots sollen nun fertigbringen, was der Menschheit nie geglückt ist. Beim Sammeln dynamischer, interaktiver Dokumente im Word Wide Web scheint dies ein völlig neues Phänomen zu sein. Die Frage ist, ob diese Art von Informationen überhaupt noch sammelbar[20] ist."[21]
[19] Das Internationales Institut für
Sozialgeschichte, hervorgegangen aus dem Dokumentationszentrum für Soziale
Bewegungen der Universitätsbibliothek Amsterdam, umfaßt Hunderte von
Archiven und Sammlungen von Personen und Organisationen, dazu 20000 Plakate,
4000 Schallplatten, 19000 Flugblätter, Bücher, Zeitschriften und
audiovisuelles Material zur politisch-kulturellen Bewegung der 60er Jahre.
Weitere Informationen online:
oder
Internationales Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam