Posted by Florian on May 30, 1997 at 01:18:08:
In Reply to: Re: blaetter/splaetter posted by blaetterheik on May 30, 1997 at 00:51:56:
: *literarische maschine* ist interessant.
: verschienste autoren haben ihr *aufschreibesystem* im weitesten sinne als eine ebensolche *literarische maschine*
: phantasiert - was ist eigentlich der reiz an diesem maschinellem?
Ist der Computer nicht mehr als eine Aufschreibemaschine? Fuer mich ist er primaer eine
Lesemaschine und eine Kombinationsmaschine, oder, vielleicht das trifft's besser, eine
Aufschreibemaschine, mit der plagiatorisch und kombinatorisch verfahren werden kann.
: eben auch dein hang zu den text-maschinen?
Der ist zum Teil auch ein musealer Hang. Die klassische Lullische Maschine und alle ihre Auswuechse
ueber Kuhlmann's Libes-Kuss 41 bis hin zu Queneaus 100.000 Milliarden Gedichten finde ich
eher primitiv, weil sie keinen variablen Input und keine Rekursion kennt. Markov-Ketten sind
da eher nach meinem Geschmack, vor allem eben als Lesehilfen.
Aber zurueck zur Frage: Der Reiz des Maschinellen ist natuerlich die Automatik, vor allem
aber das Spielerische und das Gebot, in der Kategorie von Potentialitaet zu denken.
Theologisch-eschatologische Selbstdeutungen will ich mir lieber ersparen! Aber natuerlich
gehen solche Lese-Spiele auch ohne Maschine. Die Eleganz des Computers besteht nur darin, ein
riesiges Archiv und die Algorithmen relativ schnell und auf kleinem Raum zur Verfuegung
zu stellen. Was uebrigens ein wichtiger Punkt ist: Ohne ein halbwegs enzyklopaedisches
Archiv funktionieren diese Spiele nicht.