Posted by Florian on May 30, 1997 at 01:40:40:
In Reply to: Re: Hypertext is nothing new posted by hyperheik on May 30, 1997 at 00:42:18:
: Durch die Betonung dieser intertextuellen Funktionen im Hypertext-Essay wird
: das 'Lesen' selbst zu einer forschenden und explorierenden T”tigkeit und das
...aber nur durch Interface-Kosmetik, weil man staendig zum Herumklicken angehalten
ist. Ich zweifle aber, ob dies eine wirklich souveraene "Navigation" im Textkorpus
darstellt, der Leser also wirklich selbst forscht.
: Hypertext-Netzwerk zu einer topographischen Oberfl”che, auf der die Benutzer
: in vielfache Richtungen operieren k–nnen: hin- und herschalten zwischen linearem
: Textverlauf und verschiedenen Index-Listen, intertextuellen Verweisen folgen,
...die, wenn man nicht ueber extrem raffinierte (und kaum verfuegbare) Gestaltungs-
werkzeuge verfuegt, alle per Hand und mit wenig Eingriffsmoeglichkeiten durch den
Leser codiert werden muessen...
: vollends zum 'Mitt”ter' und der Nicht-Abgeschlossenheit des vorliegenden Textes
: wird deutlich. Auff”llig an den (vom Autor schon angef¸gten) Leser-Kommentaren
: ist die Tatsache, daþ es sich hierbei um starke Erg”nzungen handelt, die allesamt
: die Funktion haben, den diskursiven Wert des Textes zu erh–hen: Lob, Anerkennung,
: kleine Erg”nzungen und Richtigstellungen - zudem gr–þtenteils von namhaften
: Hypertext-Autoren (die zwangl”ufig - schon vom Interesse und von
: Kommunikationsstrukturen her - die ersten 'Leser' sind).
Hier sehe ich in der Tat einen technischen Vorteil des elektronischen Netz-Texts
(nicht unbedingt des Hypertexts im engeren Sinne), den allerdings eine ganze Batterie
von Nachteilen konterkariert: Das faengt beim Lesen am Bildschirm an und hoert bei
Telefonkosten auf [siehe mein gemailtes Positionspapier]. Deshalb halte ich elektronische
Texte vor allem dann sinnvoll, wenn sie Teil einer Datenbankstruktur sind. Das bietet
sich besonders fuer wissenschaftliche Texte an. Doch auch hier gilt, was erst recht
bei 'Dichtung' virulent wird: Die diversen technischen Pferdefuesse vom Bildschirm-
flackern bis hin zur laufenden Telefonrechnung verhindern ein wirklich konzentriertes
Lesen, fuer das der Buchdruck die erste Wahl bleibt. Falls es jemandem mal gelingt,
ein handtellergrossen 1-Kilo-Computer mit 300 dpi-Display und kostenloser Funkmodem-
verbindung zu bauen, revidiere ich jede dieser Thesen, vorher jedoch halte ich alles
andere fuer utopisch oder hoechstens fuer Insider-Minderheiten relevant.
Florian