Durch das nomadische Umherscheifen in telematischen Netzwerken werden zentral ausgerichtete Systeme (nach dem baum- und Wurzelmodell) in Systeme ohne Zentrum überführt, "in denen die Kommunikation von einem Nachbarn zum anderen hergestellt wird, in denen Stränge und Kanäle nicht schon vorgegeben sind [...] " (Deleuze/Guattari 92, 30). Schreiben im Netzwerk hat nicht im klassischen Sinne mit Literatur zu tun - als System Autor-Werk-Bedeutung-Markt - sondern damit, Neuland im telematischen Raum zu vermessen, Textlandschaften anzulegen, Schreiben und Lesen eben auch als eine nomadischen Akt des Umherschweifens durch Text-Netzwerke zu begreifen! Die zusätzlichen Dimensionen des hypertextuellen Zusammenschnitts verschiedener Textpartikel, die durch permanentes Up- und Downloading zwischen verschiedenen Mailboxen zirkulieren, setzen die geistige Arbeit der Textproduktion als soziales Netzwerk frei. Diese Textpartikel können an jeder Stelle unterbrochen, zerrissen, verändert (und wieder verschickt) werden - während sie gleichzeit in einem veränderbaren Netzwerk zusammengehalten werden und ununterbrochen aufeinander verweisen.
Damit versuchen wir am Modell einer vernetzten Textproduktion / -Rezeption ein (sozial möglicherweise schwer zu realsierendes) Paradigma von Netz-Werk-Utopien auszuprobieren: Beziehungen (zwischen Texten / Autoren / Lesern) zu realisieren, die nicht von Punkt zu Punkt, von Wort zu Wort gehen (lineare Referenz: Signifikant/Signifikat), sondern die Kreuzungen, Überlagerungen, Gleichzeitigkeiten, Übereinanderschichtungen zulassen: viele verschiedene Schreiblinien bilden Bedeutungsknoten - die Schreibnetze verschiedener Text-Touren überlagern sich und sind "in jedem Augenblick mit dem kollektiven, zeitlichen und nervlichen Rhizom" (der anderen Netz-Werk-Teilnehmer) verbunden - the Art of writing everywhere...
Telematische Kulturtechnik Informationsnetzwerke Hypertext als Utopie Space Silben-Poesie