In der Problematisierung von Copyright
und Eigentumsverhältnissen von Texten und Bildern im Internet werden
zumeist die modernen bürgerlichen Rechtsnormen als unbefragte Bezugspunkte
gesetzt, ohne deren historische Relativität zu berücksichtigen. Ein
diskurshistorischer Blick auf die Entstehung der Autorfunktion
von Texten, zeigt hingegen, daß Texte auch ohne Autorennamen zirkulieren
können:
"Andererseits gilt die Funktion Autor nicht überall und nicht ständig
für Diskurse.
In unserer Kultur haben nicht immer die gleichen Texte einer Zuschreibung
bedurft. Es gab eine Zeit, in der die Texte, die wir heute 'literarisch' nennen
(Berichte, Erzählungen, Epen, Tragödien, Komödien), aufgenommen,
verbreitet und gewertet wurden, ohne daß sich die Autorfrage stellte
[...]. Im Gegensatz dazu wurden die Texte, die wir heute wissenschaftlich
nennen, über die Kosmologie und den Himmel,
die Medizin und die Krankheiten, die Naturwissenschaften oder die Geographie im
Mittelalter nur akzeptiert und hatten nur dann einen Wahrheitswert, wenn sie
durch den Namen des Autors gekennzeichnet waren." (Foucault 1979, S. 19)[15]
[15] Das Umfeld dieses Zitats ist auf der CD-ROM
enthalten unter:
ausführliche Bibliografie (auch mit Netzwerktexten)