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Bearbeiten/Formatieren: Linearisierung und Adressierung in der Kultur des Buchdrucks


Der `Autor' bzw. sein Eigenname wird also - je nach dem technischen Stand des Kommunikationssystems - erst als ein medialer Effekt des jeweils vorherrschenden Informationssystems der Wissensverarbeitung produziert; was systemtheoretische Analysen materialkundig belegten: "Als Autoren werden diejenigen informationsverarbeitenden Systeme bezeichnet, die über ihre Sinnesorgane Informationen aufnehmen und diese zu Manuskripten verarbeiten, die dann von den Druckereien aufgenommen werden. Erst durch Herstellung einer Beziehung zu Verlegern und/oder Buchdruckern können die ´Schreiber´ also zu Autoren und damit zu Elementen eines neuen Kommunikationssystems werden." (Giesecke 1991, S. 400-401). Ebenso wird - in symmetrischer Entsprechung - auf der anderen Seite des Kommunikationsprozesses die Leserschaft erzeugt. [16]
Die Verstärkung und Monopolisierung der Autorenfunktion führte bekanntlich zu weiteren Normierungen und Linearisierungen von Format und Systematik gedruckter Büchern. Kuriose Erscheinungen waren bei dieser Geburt der Textspeicherung mittels des Buchdrucks zu beobachten: die `Incipits' sowie die chaotischen und teils wundersamen Benennungen von Manuskripten durch Titelblätter und Überschriften wurden konsequent auf Autorennamen und Titel umgestellt, die dann nicht selten erst von den Druckern erfunden oder konstruiert wurden. Kurzum: Die vielseitigen poetischen Referenzsysteme des Mittelalters wurden durch lineare Sequentialisierung (Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnisse und Register) in eindeutige Adressierungen jedes einzelnen Informationssegments umgewandelt.


[16] Untersucht man die unterschiedlichen Korrekturverfahren von den Buchmalern über die Rubrikatoren zu den Korrektoren, so fällt auf, daß in der typographischen Datenverarbeitung durch ausführliche Druckfehlerverzeichnisse schließlich sogar der Leser in die Korrekturschleife miteinbezogen wird, indem genau angegeben wird, auf welchen Seiten in welchen Zeilen Korrekturen und Ersetzungen vorzunehmen sind. Vgl. Giesecke 1991, S. 121-123.


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