Während das Buch
eher als ein mittelbares Interface
für die Imagination virtueller Welten bezeichnet werden kann, wird der
Monitor eines Hypermedia-Systems
zur unmittelbaren Schnittstelle und Begegnungsoberfläche imaginierbarer
und frei gestaltbarer Konfigurationen zwischen Mensch und Maschine, Programmen
und Usern, Daten und Operationen. Die Gestaltung des Interface-Designs selbst
ist für den stets variierbaren Entwurf virtueller Welten entscheidend: Die
Erfindung der Maus ist für diese optionale Konfigurierbarkeit ebenso ein
Beispiel wie die Fenster- und Rahmenmetaphorik, die sich ihrerseits mehr oder
weniger vertrauter Metaphoriken
(Desktop, Kamera, Film usw.) bedient, um die jeweils bevorzugte ,Schnittstelle`
zu programmieren. Auch die verführerischen
VR-Ganzkörper-Ummantelungen bekunden ebenso wie experimentelle
Oberflächen in interaktiven Medienkunst-Projekten und kollaborativen
Web-Seiten den immateriellen Möglichkeitsraum von Schnittstellen, die
ihrerseits die Art und Weise des 'Eintauchens' in die Datenwelten vorgeben. Der
Imaginationsraum hypermedialer Welten ist medial nicht fixierbar, sondern
prinzipiell offen. Eben diese Offenheit macht die jeweils vollzogene Auswahl
von Benutzer-Oberflächen zu einer diskussionswürdigen: Stil und
Ästhetik des Interface sind nicht automatisch programmierbar.[28]
Betriebssystembedingte
Unterschiede im Interfacedesign sind heute hingegen fast schon obsolet
geworden: durch HTML und JAVA-Scripts
entstehen schon auf der Dokumenten-Ebene Austauschformate und
Benutzeroberflächen, die auf längere Sicht die althergebrachten
Betriebssysteme überschreiten und die Vision einer universellen
Schnittstelle (jenseits von Hardwareplattformen und ausgestattet mit variablen
Dokumentstrukturen) in greifbare Nähe rücken.[29] Welche Begehrlichkeiten jedoch die `Konfigurationen'
marktbeherrschender Konzerne bestimmen, zeigt beispielsweise eine Warnmeldung
an die User, die erscheint, wenn man sich, einem link von Microsofts
Enzyklopädie
Encarta 98 folgend, ins Internet begibt: "Sie verlassen jetzt Encarta
Enzyklopädie, um zu einer Webseite zu gelangen, die nicht mehr der
Kontrolle von Microsoft untersteht. Microsoft kann daher keine Garantie
für den Inhalt dieser Webseiten übernehmen. Möchten Sie
fortfahren?"
[28] Vgl. etwa die beiden Interfaces der
beiliegenden CD-ROM, insbesondere die ironisch distanzierenden Momente der
Dokufiction, die unter anderem durch das Zitieren und Einblenden
verschiedenster Benutzeroberflächen bzw. ihres uns allen vertrauten
Absturzes (Windows 95 ©) hervorgerufen werden ; oder durch den Versuch,
verschiedene Benutzeroberflächen zum ,Sprechen` zu bringen (zum Beispiel
durch das ,Einpasten` von Passagen aus den Kongreß-Vorträgen in
verschiedenste Editoren, News-Reader, System-Fenster). Screenshots aus den
angesprochenen Passagen finden sich auf der CD-ROM nebst ...
weiteren Materialien zum Prozeß der CD-ROM Produktion