Pressekonferenz am 5.7. 2000 zum Projektstart


5.7. 2000: DIE ODYSSEE BEGINNT (WIEDER) ...

online:

http;//www.hyperfiction.de

Pressekonferenz log.in/write.in

am 5.7. 2000, 11.00 Uhr
Zur Eröffnung der log.lounge Erlangen

die Region als Vernetzung

Das Sympatische und vielleicht "zeitgemäße" am gesamten log.in-Projekt ist der Gedanke der Vernetzung, der auf den verschiedensten Ebenen von Kunst-, Kommunikations- und Medien (-Kunst)-Projekten ins Spiel gebracht wird ... und auf vielfältige Art und Weise auf den (kulturellen) Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwalbach (zurück-)projiziert wird:
reale Vernetzung der Regionen durch Verkehr udn Transport, wirtschaftliche Vernetzungen des lokalen Wirtschaftsraumes und nicht zuletzt kulturelle Vernetzungen ...
... Tische werden getauscht und transportiert, Fahrscheinde des öffentlichen Nahverkehrs mit neu erfundenen Wortern bedruckt, der städtische Raum selbst wird zum Aktions- und Handlungsraum ...

das Netz ist die Botschaft

Wir sind also schon ein bißchen weiter als zu den Anfangszeiten der Neuen Medien: nicht mehr das Medium ist die Botschaft, die Verwandlung und Transformation von einem Medium in ein anderes das Lieblingsspiel der Medienkunst, sondern: die Vernetzung ist die Botschaft: die Konfigurationen verschiedener Mediensysteme, aber - und das ist für die Communities, die sich um die neuen vernetzten Medieum herum bilden von enormer Wichtigkeit - auch die Umgangsformen der NutzerInnen, die Art und Weise, in der sich die Einzelnen an die medienverbundsysteme anschließen hat sich im Vergleich zu dem klasischen eindimensionalen Massernmedien fundamental geändert.
Diesem kulturell wichtigen Effekt haben schließlich die Planer von log.in auch Tribut gezollt, indem sie schon im Titel eine Aufforderung mit transportieren, sich anzuschließen, einzuloggen - und das gilt für die beteiligten KünstlerInnen genauso wie für die Besucher, Zuschauer oder 'ehemaligen' Leser - denn: solche passiven Rezipienten gibt es im Netzwerk fürderhin nicht mehr!

Literatur im /als Netzwerk

Auch und gerade die Literatur kommt im Netzwerk durchaus wieder zu alten - von der Massenkommunikation 'überholten' - Qualitäten, Strukturen und Verarbeitungsweisen sowie ungeahnten Kommunikationsmöglichkeiten, nachdem sie ja bekannlich von der Offensive der Audiovisuellen Medien schon mehrfach für tot erklärt worden ist (Stichwort: Das Ende der Gutenberggalaxis etc. pp. ):
ein Text ist bekanntlich ein Gewebem ein Geflecht aus mehreren Fasern und Strängen, die sich überlagern, ein vielstimmiger Chor von Stimmen, ein begehbarer Garten der 'Pfade, die sich verzweigen' (Borges) ... ein Wurzengeflecht oder - wie der inzwischen populär gewordene Begriff auf der französichen postmodernen Philosophie es ausdrückt: ein Rhizom, das von den LeserInnen und Schreibern gleichermaßen an jeder Stelle unterbrochen, verknüpft, gekreuzt, geschnitten, aufgepfropft ... und verpflanzt werden kann.
Neben den nicht-hierarchischen , von Zugriffen der Institutionen der Macht und der kulturell-politischen Selektion befreiten neuen vernetzten Distributionsmöglichkeiten des Netzwerkes sind aber auch gerade die neuen Möglichkeiten der Produktion und der generation von Texten wirklich revolutionär und in ihrer langfristingen Auswirkung auf unsere kulturellen (Wissens) Systeme noch vollkommen unabsehbar ...
Mit dem Internet ist nämlich der Ort der Texte wieder ein offener Raum geworden, so wie er sich schon in der vorschriftlichen Phase oraler Gesellschaften gezeigt hatte in dialogischen Formen des Gesprächs, in kollektiven Erzähltraditionen, ("Homer" ist ein Mythos, eine Konstruktion von Autorschaft).
Das Internet ist jetzt vsowohl wieder ein offener Diskursraum (newsgroups, mailing-listen, diskussionsforen) als auch im ganz wörtlichen Sinn ein offener Textraum, als die Netztexte wirklich an jeder Stelle weitergeschrieben werden können, mit Kommentaren und Randbemerkungen, mit Kritiken versehen werden können, aber auch eigene Argumentations- , Themen- und Erzählstränge können von allen Teilnehmern angelegt werden - netzspezifische Abstimmungs- nd Bewertungsmodalitäten werden von den Communities entwickelt ...

log.in

Somit haben die Leser und die Leserin im Netz die Chance, sich aus der nicht selbst verschuldeten 'Unmündigkeit' der massenmedial nur noch in eine Richtung versendeten Texte zu befreien und sich einem utopischen Literaturbegriff (wieder) anzunähern, wie etwa in der Nachfolge der Surrealisten in den künstlerische-sozialen Aufbruchsbewegungen der 60er Jahre (wieder) propagiert wurde:
Die Literatur kann/soll von allen gemacht werden, nciht von einem!
.. so formulierte es treffend Isidor Ducasse alisas Lautreamont, der einfach vorliegende Texte aus dem kuturellen Reservoir (z.b. Pascal) 'umformulierte', korrigierte ...

Die Einladung und Aufforderung zur Mitarbeit, die mit dem gemeinschaftlichen online-Schreibprojekt "write.in: Odysseen im Netzraum" ergeht, ist eben genau ein Versuch, die Mythen und Utopien des Netzwerks, die momentan einem starken Angriff seitens eines allgemeinen ecommerce ausgesetzt sind, zu korrigieren, umzuschreiben, eigene Utopien, Wünsche, Erfahrungen, (An-)Forderungen an das Internet als ein interkulturelles intertextuelles kulturelles Netzwerk zu entwerfen.
Zwischen Wissenschaft und Fiktion: Science/Fiction.

Programm:


1. fist kollaborative Sentence
2. Assoziationsblaster
3. Hypertext-trees auf gvoon.de

Dank an ....

Ich bedanke mich bei dem Projektbüro - besonders Gudrun Wojke vom Institut für moderne Kunst, Nürnberg - und dem Kulturamt Erlangen - Herrn Fischer und Frau Karin Lippert - für die phantastische Organisation und Koordination ...
... ohne die nämlich auch im Netz gar nichts läuft.

Frau Lippert wird jetzt den lokalen Rahmen des Schreibprojektes, die Einbindung in die lokale Kultur und geplante Zusammenarbeit vor Ort skizzieren.

Ganz nah an dem Motto:

Global denken, lokal schreiben, weltweit vernetzen!

log.in/write.in
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