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ARCHIVX004: DIE GEBURT DER ENZYKLOPäDIE AUS DER DRUCKTECHNIK (1751)

Als Denis Diderot und Jean Le Rond d'Alembert am Vorabend der französischen Revolution mit dem Projekt Enzyklopädie ein universelles Wörterbuch der schönen und mechanischen Künste zusammentragen, ist dieses Unternehmen nur als ein kooperatives Schreibprojekt unterschiedlichster Experten zu bewerkstelligen. Die Vernetzung der einzelnen - alphabetisch geordneten Wissensbausteine - geschieht über die Darstellung eines Wissensbaumes[7], der die 'Weltkarte des Wissens' im Überblick darstellt und somit Hierarchien, Verzweigungen und Kontexte deutlich macht.
Im Gegensatz zum linearen Lesen arbeitet man sich durch die Enzyklopädie mittels sachbezogener, struktureller und sprachlicher Verweise. Der Leser kann selbst - unterstützt durch Karte und alphabetische Register - eigene Wissenspfade abschreiten.
Das Pariser Parlament bezieht sich in seinem Verbot der Enzyklopädie 1759 explizit auf die subversive Funktion der Querverweise: "[...] das ganze in diesem Wörterbuch verstreute Gift findet sich in den Verweisen."[8]
Experimente mit Text-Strukturen und mehrdimensionale Visualisierungen des Schreibraumes hat es aber jenseits der linearen abendländischen Buchform auch in der Literatur schon in den verschiedensten Ausformungen gegeben: drehbare Scheiben für kombinatorische Sprachspiele (Raimundus Lullus), ausfaltbare Randbemerkungen (die Paperassen von Marcel Proust) oder Zettelkästen als Textdatenbanken (Arno Schmidt, Niklas Luhmann). Auch für eine produktive Rezeption moderner offener Kunstwerke mußten Konzept, Geräte und Apperaturen gefunden werden ...


[7] Ein Ausschnitt aus dem antiken Druck zum Wissensbaum findet sich in der Imaginären Bibliothek (wie Anm.3). Eine Transkription des Schematas in Jean Le Rond d'Alembert, Denis Diderot u.a.: Enzyklopädie. Eine Auswahl, Frankfurt am Main 1989, S. 28-29).
[8] Mit Verweisen von einem Band zu einem (erst später erscheinenden) anderen wurde die Zensur geschickt umgangen, etwa im berühmt gewordenen Verweis von 'Menschenfresser' (Anthropophages) im ersten Band auf die Begriffe 'Kommunion' und 'Eucharistie' oder vom orthodox gehaltenen Artikel 'Jesus Christus ' auf den eher ketzerischen Eintrag unter 'Eklektizismus ' (s.a. Enzyklopädie, S. 20 ff. - wie Anm.6)


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