Raymond Roussel wollte die Verschachtelung seiner Texte, die durch endlose
Aufzählreihungen, Abschweifungen, Fußnoten und Parenthesen mit
9-fachem Verschachtelungsgrad schwer zugänglich sind, durch mehrfarbigen
Druck übersichlicher gestalten - doch seine Verleger lehnten solch
aufwendige Verfahren im Jahre 1932 ab.
Bei einer surrealistischen Ausstellung wird dann 1937 eine
"Roussel-Lesemaschine" gezeigt, für die der Text auf Pappkarton nach der
Art eines Rundregisters montiert wird: der obere Rand ist je nach
Verschachtelungsgrad mit einer anderen Farbe versehen. Die Karten sind um die
Achse einer Trommel angebracht, die der Leser mittels einer Kurbel mit der
rechten Hand dreht, während er mit der linken die gewünschte
Textkarte an einer nach oben stehenden farbigen Marke festhält, so
daß die zusammenhängenden Textkarten (einer bestimmten
Verschachtelungsebene) hintereinander aufgeblättert werden können.
Im Verlauf der Literaturgeschichte sind unzählige konzeptuelle
(virtuelle) Dichtungsmaschinen, Kombinatoriken und narrative Konzepte
entworfen worden, die einen aktiven Leser verlangen - aufgrund
produktionstechnologischer Trennungen und grundlegend verschiedener medialer
Ausstattung von Autoren und Lesern konnte allerdings selten eine 'wirkliche'
poetischer Aktivität der Leser evoziert werden ...