Als strukturelle Modelle - interfaces - für vernetzte Text-Konstellationen funktionieren bevorzugt räumliche Formationen, die asynchrone Vernetzungen verschiedener Materialien, Medien und Handlungsprozesse zulassen: Landkarten, wie etwa der (imaginierte) Plan einer Stadt oder eines Hauses in der klassischen Gedächtniskunst (als kulturelle Speicherplätze), die sich in vielfältiger Weise auch in der Literatur wiederfinden: etwa bei James Joyce, der den ganz normalen Tag des 16. Juni 1904 auf den Stadtplan von Dublin projiziert, oder der Querschnitt durch ein Pariser Wohnhaus[12], das als Home-Page für einen Roman dient, in dem die Technik des mise en abyme - verbunden mit vielfältigen Katalogisierungen und Indexlisten - ein topographisches Lesen ermöglichen.
[12] In Georges Perec: Das Leben. Gebrauchsanweisung (Frankfurt/Main 1982, Originaltitel Paris 1978) wird ein weitverzweigter Roman auf die Zimmer eines Mietshauses verteilt: 99 Kapitel (für alle Zimmer des Hauses inklusive Kellerräume, Treppenhaus, Eingangshalle, Hausmeisterloge), die nach Prinzipien von Schachbrettzügen durchquert werden. Aus den Strukturen des Text-Hauses werden immer wieder konstitutive Elemente für jedes Kapitel entwickelt, die die Konstellationen der Personen, das Mobiliar, biographische und geschichtliche Anspielungen, Zitate und literarische Bezüge miteinander vernetzen. Thematisch steht eine aberwitzige Geschichte um einen Puzzle-Künstler im Mittelpunkt der insgesamt wie ein Puzzle ausgelegten Geschichten. Diese literarische Spielform könnte gleichzeitig ein Vorbild sein für die am wenigsten 'literarischen' Spielformen im Netz: die MUDs (Multi User Dungeons).