previous next Up Title Contents

ARCHIVX012: MEMORY ARENA: WHO IS WHO IN EASTERN EUROPE 1933 (1991)

Der Musiker Arnold Dreyblatt benutzt eine in einem Antiquariat in Istanbul gefundene Enzyklopädie "Who is Who in Eastern Europe 1933" als 'Steinbruch' für Hypertext-Opern, Performances, Installationen und Buch-Projekte[18]:
Dieses Archiv des kollektiven Gedächtnisses - die gesammelten Lebensläufe von Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern osteuropäisher (größtenteils jüdischer) Herkunft in einem historischen Moment belichtet (Wien 1933) kurz vor deren massenhaften Vernichtung durch den Faschismus: so finden sich Ausschnitte aus den Lebensläufen unter Schlagworten wie "Musik", "Oper", "Kunst", "Vergessene Provinzen", "Untergrundarbeit", "Individuelle Philosophien" etc. wieder. Lesen und Schreiben vollzieht sich in diesem immer wieder aktualisierten Gedächtnisraum als ein Reisen ("Navigieren") von einem Lebenslauf zum anderen. Die antike Lehre von den Gedächtnisorten erfährt hier eine sinnliche und narrative ästhetische Ausformung: Die Geschichten kollektiver Erinnerungen können nicht mehr linear erzählt werden. Was (er)zählt sind die Ensembles und Plateaus von Momentaufnahmen. Zwischenräume, Markierungen, Wegkreuzungen, an denen sich etwas ereignet, Verzweigungen passieren.
Wem gehörren die Spuren und Überreste sozialer Bewegungen? Wie lassen sich Revolten, Revolutionen und subkulturelle Einbrüche aufzeichnen, dokumentieren und vermitteln?


[18] Arnold Dreyblatt: Who's Who in Central and East Europe 1933. Eine Reise in den Text, Berlin 1995;
Arnold Dreyblatt: Memory Arena


previous next Up Title Contents