Heiko, du bist in Deutschland einer der wichtigsten Protagonisten von
kollaborativen, "computer-vermittelten" Schreiben, sowohl in der Theorie wie in
der Praxis. Kannst du erzählen wie du als studierter Germanist an den
Computer gekommen bist?
Da
gab es zwei auslösende Erlebnisse. Das eine war 1984 der Besuch der
"Immaterialien"-Ausstellung im Centre Pompidou in Paris, die von dem
postmodernen Philosophen Jean-Francois Lyotard mitkonzipiert worden war und bei
der es darum ging, ob man die Postmoderne ausstellen kann. Dazu gehörte
auch ein Schreibprojekt, bei dem französische Philosophen über das
Minitel-System, das französische BTX, miteinander diskutierten. Lyotard
hatte fünfzig Begriffe wie "Abwesenheit" und "Navigation" ausgegeben, also
Sachen, die immer noch aktuell sind. Daran konnte man in der Ausstellung
weiterschreiben. Obwohl ich noch nicht mal die französische Tastatur
bedienen konnte, hat mich das unglaublich beeindruckt. Das andere Erlebnis war
kurze Zeit danach in Hannover. Ich hörte Radio und plötzlich
heißt es: "Und jetzt senden wir unsere Zeitschrift für den C 64 -
bliep, bliep, bliep, bliep."