Nein, ich habe mir erst 1987 einen Amiga gekauft. 1988 haben ich dann auf dem
Osnabrücker Medienfestival mit Matthias Krohn unter dem Namen Pool
Processing eine Literaturdatenbank mit unseren Lieblingszitaten gemacht. Bei
mir kam das alles von der experimentellen Literatur her. Ich hatte vorher
versucht, eine Mischung aus
autobiografischen und theoretischen Zitat-Collagen zu schreiben - durchsetzt
mit filmischen und musikalischen Einspielungen in die Texte. Später
versuchte ich mich an einem Videomagazin. Aber irgendwie stimmte jeweils das
Medium nicht! In Osnabrück 1988 wollte wir radikaler mit den
Möglichkeiten der Medien arbeiten: Wir wollten in Osnabrück eine
Festivalzeitung machen und haben unseren alten Laserdrucker und zwei 286er
Computer mitgebracht. Wir haben in so einer alten Lagerhalle ein Electronic
Café gemacht, wo wir die ganze Zeit gearbeitet haben. Die Idee zu dieser
Festivalzeitung ging aus von diesem Agentenbegriff bei Kittler.
Wir
haben gesagt. "Wir sind Informationsagenten und wollen hier einen Diskursraum
schaffen."
Gleichzeitig hatten wir entscheiden, daß wir das auch ausdrucken
müssen, damit es nicht nur im Computer zirkuliert. Es gab also nachmittags
eine Ausgabe, und eine um Mitternacht. Wir haben auch alles
veröffentlicht, was andere an unseren Computern geschrieben und in eine
Datenbank eingegeben hatten, ohne es zu redigieren. Vilem Flusser war damals
auch da, den haben wir interviewt, und der hat sich von der Medienphilosophie
her auf die ganze Sache eingelassen. Aus dem Material, das damals
zusammengekommen ist, haben wir dann die "Imaginäre Bibliothek"
entwickelt, die wir 1990 auf dem Medienkunstfestival ars electronica in Linz
gezeigt haben.