previous next Up Title Contents

TILMAN BAUMGÄRTEL: War die "Imaginäre Bibliothek" noch off-line oder schon online?


Heiko Idensen: postzugelassenes Modem (1990)

1990 beim Medienfestival Osnabrück wollten wir eine Mailbox installieren, was aber nicht so einfach war. Ich bin nach Hamburg zum ChaosComputerClub gefahren und habe ein postzugelassenes Modem geholt. Sowas hat damals noch 3500 Mark gekostet. Wir haben die ganzen Texte, die wir hatten, in diese Mailbox gelegt und jeden Abend geguckt, ob jemand was geschrieben hatte. Der einzige, der mitgemacht hat, war Peter Glaser, der ein ganzes Buch in die Mailbox gelegt hat. padeluun (siehe vorangegangenes Interview) war damals auch da und hat uns gesagt, daß es gar nichts bringt, das bei einem Festival aufzustellen. Wir müßten das im sozialen Kontext laufen lassen. Danach haben wir dann ein eigenes Brett in der Mailbox Bionic eingerichtet, die von ihm mitbetrieben wurde.

"Agentur für ästhetische Information: "Arbeit/Inszenierung/Dienstleistung

Nach der Erfahrung bei den Festivals hatten wir entschieden, daß es nicht genügt, da ein paar Computer hinzustellen. Wir wollten das Ganze etwas mehr inszenieren, ohne gleich Medienkunst zu machen. Andererseits wollten wir auch nicht wieder eine reine Dienstleistung liefern, also Berichterstattung, Archiv, Zeitung produzieren. Der nächste Schritt war daher, so einen literarischen Raum mit unseren Lieblingsbüchern aufzubauen. Das war immer noch geprägt von dem "Labyrinth der Bibliothek", das ich bei den "Immaterialien" gesehen hatte. Dafür haben wir auch zum ersten Mal mit einem Hypertext-System auf DOS gearbeitet, das "Hyper Pad" hieß.


previous next Up Title Contents