Dabei gibt es interessante Überschneidungen, die damals wahrscheinlich
niemand bewußt gewesen sind: Fast zur selben Zeit, als Ted Nelson den
Begriff des Hypertext geprägt hat, schreibt auch Derrida in der
"Grammatologie" vom "Text als Gewebe, durch den sich der Leser - heute
würde man sagen: der "User" - manövriert.
Nicht-lineare Literaturformen hat es aber schon vorher gegeben. Das war meine
Transferarbeit in der "Imaginären Bibliothek" gewesen: zu zeigen, wo es
schon vorher nicht-lineare Strukturen in der Literatur gegeben hat. Das ging
von Indexsystemen über lexikalische Strukturen bis zur visuellen,
konkreten Poesie. In der "Imaginären Bibliothek" haben wir Beispiele
dafür zur Verfügung gestellt. In der Literaturtheorie gab es zu
dieser Zeit bereits den Begriff der Intertextualität. Es ging nicht mehr
um den einzelnen Autor und den einzelnen Text, sondern die Frage: Wie
hängen die Literaturen zusammen? Wer ist wovon inspiriert und schreibt
welche Strukturen neu? Gleichzeitig wurde von den Post-Strukturalisten der
Autor und der Text für tot erklärt, und damit auch das Buch und die
Linearität, oder allgemeiner: die Schrift und die Spur. Da gab es im
Grunde auf der Theorieebene auch schon Netzwerkkonzepte.