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TILMAN BAUMGÄRTEL: Nur, daß dafür noch die richtige Software fehlte...


Heiko Idensen: Desktop, Gedächtniskunst, Topographien

Ja, es mußten erst graphische Oberflächen und die Mouse erfunden werden, mit der man die "Links" zwischen den verschiedenen Textebenen ansteuern konnte. Theoretisch geht das natürlich schon mit nicht-visuellen Computersprachen wie DOS oder UNIX. Aber zum Hypertext gehört auch die Neuerfindung der alten Gedächtniskünste: Wie organisiert man Wissen? Wie bildet man Strukturen ab? Das geht nicht, indem man einfach eine Indexdatei schreibt. Bush spricht davon, die Sachen alphabetisch oder zeitlich zu organisieren, aber man kann es eben auch mit einer Grafik machen, und zum Beispiel ein Haus oder einen Stadtplan als Metapher benutzten, auf die man seine Inhalte legt. So wurde es auch in der experimentellen Musik gemacht: man nimmt eine grafische Vorlage - zum Beispiel medizinische Daten - und erklärt diese einfach zur Partitur und die einzelnen Elemente und Linien zu Noten oder anderen musikalischen Parametern, und spielt das mit Instrumenten nach. Da hat man sich ja auch sehr stark mit Räumen und Typographien beschäftigt.

Daniel Spoerris Fallenbilder

Oder nimm' Daniel Spoerri: Der hat Bücher gemacht, in denen er einen Tisch als Inhaltsverzeichnis benutzt. Die einzelnen Gegenständen auf dem Tisch haben Nummern, die auf die verschiedenen Seiten verweisen. Da kann man auch sagen: Das ist die "Homepage" des Buchs und du springst von den einzelnen Gegenständen zu den verschiedenen Geschichten. Diese Verweismethoden gab es also schon in der Literatur und der bildenden Kunst und jetzt eben auch bei den grafischen Benutzeroberflächen von Computern.


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