Mein Eindruck ist, daß diese ganzen literarischen
Hypertext-Experimente direkte Folgen von neuen Softwareprogrammen gewesen sind.
Stimmt das?
In den 80er Jahren wurden zwei Software Programme entwickelt, mit denen man als Laie Hypertexte schreiben konnte. Das eine war das erwähnte "Hypercard" von Apple, das andere hieß "Storyspace". Das hatte 1986 der amerikanische Schriftsteller Jay Bolter zusammen mit Michael Joyce und der Firma Eastgate Systems entwickelt. Im Gegensatz zu "Hypercard", wo alle Textteile auf Symbolen standen, die wie Karteikarten aussahen, wurden bei "Storyspace" auch die Links zwischen den Textelementen dargestellt. Damals entstand zum ersten Mal eine Szene, die theoretisch und schriftstellerisch mit dieser Technik umging.
Einerseits
gab es Leute wie Jay Bolter, die um diese neue Technologie eine ganze
Literaturtheorie entwickelten und sich fragten: Wie können wir damit
umgehen, wenn die Literatur räumlich wird? Und andererseits gab es jemand
wie Michael Joyce, der Schriftsteller war. Der hatte schon vorher mit dem
Computer und Textverarbeitungssystem gearbeitet, sich aber immer etwas ganz
anderes gewünscht. Als Prototyp für Hypertext-Literatur hat er dann
die Story "Afternoon" geschrieben und gleichzeitig das Programm "Storyspace"
mitentwickelt, mit dem man das überhaupt erst machen konnten. "Storyspace"
hat dann leider nie die Verbreitung gefunden, die es verdient hätte. Das
war ein gutes System, um etwas zu entwerfen. Man hatte so eine Art Baum- oder
Netzstruktur, aber man konnte sich den Hypertext auch als Karte anzeigen
lassen. Leider brauchte man dafür riesige Bildschirme. Als ich mit diesem
Programm die "Imaginäre Bibliothek" gemacht habe, konnte ich nicht mehr
als zwanzig Sachen miteinander verlinken, weil dann der Bildschirm voll war und
niemand mehr diese Netze lesen konnte.