"Zum Okkultismus[1] schreibt Benjamin, den ich nach dem Vortrag meines alten Freundes und Lehrers Sam Weber gern noch einmal zitiere, 1933: Eine ganz neue Armseligkeit ist mit [der] ungeheuren Entfaltung der Technik über die Menschen gekommen; und von dieser Armseligkeit, als einer Wirkung der Technikübermacht, sei der beklemmende Ideenreichtum, der mit der Wiederbelebung von Astrologie,... Yogaweisheit, Christian Science, Chiromantie, Vegetarianismus, Gnosis, Scholastik und Spiritismus[3] nur die Kehrseite. Okkultismus als eine Reaktion auf die erfahrungslos machende Übermacht der Technik?"
[1] Das Okkulte, meine Damen und Herren, hat
zunächst eine Wortgeschichte. Es kommt her von dem lateinischen Partizip
Perfekt »okkultus« her, das im Französischen occulté
überlebt hat und führt, wortgeschichtlich, über mehrere
Intensivierungsstufen auf »celare«2 zurück, das
einfachste Wort, das im Lateinischen für »verhehlen,
verheimlichen« gebräuchlich war, mit »clausus«, der
Höhle verwandt und auch mit dem uns gut gewohnten »clam«, das
schon »heimlich« heißt und das wir, die Intensivierungen im
Okkulten hören nämlich nie auf, als den Pleonasmus
»klammheimlich« verwenden. Also ist occulto ein Intensivum von occulo
und dieses eines von celo und sie ahnen, daß der Okkultismus dann, erst
spät im 19. Jahrhundert, der eher fragwürdige Versuch war, die Ketten
sich steigernder Unheimlichkeiten, von denen das vergangene Jahrhundert
angefüllt war, wissenschaftlich aufzuarbeiten. Das ist übrigens bis
heute wissenschaftlich nicht gelungen.
[3] Benjamin 1933/GS II:214f