Die Netzwerkkultur hat die Systeme des Denkens
längst infiziert und die Ordnungen
des Wissens unterwandert: Die Medien und Hilfsmittel, mit denen geforscht,
geschrieben und kommuniziert wird, bleiben der Rhetorik und Poetik im Netzwerk
zirkulierender Texte keineswegs äußerlich. `Networking' wird die
bestimmende Produktionsweise der Netzkultur mit weitreichenden
gesellschaftlichen Umwälzungen im Produktions-, Kultur- und
Bildungssektor. Das Internet wird nicht nur zum grundlegenden
gesellschaftlichen Übertragungs-
und Austauschmedium sondern generiert als Basistechnologie auch neue Wissens-
und Kulturtechniken.
In diesem sich globalisierenden Netzwerk digitaler Wissenssysteme
überlagern sich traditionelle Prozeduren der Verteilung von Wissen
mit dialogischen Momenten der Verknüpfung, die neue Wissensbausteine und
Kontexte erschließen. Mit der Autorfunktion.
bzw. -fiktion verändert sich zugleich Rolle und Kompetenz des Lesers.
Überdies werden - trotz aller Kommerzialisierung und Beibehaltung
eingeübter Wissensformen und ihrer Institutionalisierung (virtuelle
Universitäten usw.) - die diskurspolitischen Funktionen der
Begründung, Selektion und Zitation, die bisher von gesellschaftlich wohl
definierten und hierarchisch funktionierenden Institutionen verwaltet wurden,
umgestaltet: eine nur schwer identifizierbare und institutionalisierbare
Diskursgemeinschaft bildet sich in hypermedialen Netzwerken kollaborativ[2]
und temporär - in einer Art `direkter Demokratie'.
[2] Vgl. die umfangreiche Materialiensammlung zu
den utopischen Versprechungen des Cyberspace und seiner `kollektiven
Intelligenz' (Lévi 1997); auf der CD-ROM:
Zitatensammlung aus Lévy 1997 (auf der CD.ROM!)>