"Das Buch hat aufgehört, ein Mikrokosmos nach klassischer und
abendländischer Art zu sein. Das Buch ist kein Bild der Welt und noch viel
weniger Signifikant. Es ist nicht schöne organische Totalität, auch
nicht mehr Einheit des Sinns. Michel Foucault
antwortet auf die Frage, was für ihn ein Buch sei: eine "Werkzeugkiste"
(Foucault 1988, S. 45). Und Proust,
dessen Werk voller Bedeutungen stecken soll, meinte, daß sein Buch wie
eine Brille sei: probiert, ob sie euch paßt; ob ihr mit ihr etwas sehen
könnt, was euch sonst entgangen wäre; wenn nicht, dann laßt
mein Buch liegen und sucht andere, mit denen es besser geht. Findet die Stellen
in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt. Wir lesen und schreiben
nicht mehr in der herkömmlichen Weise. Es gibt keinen Tod des Buches,
sondern eine neue Art zu lesen. In einem Buch
gibt' s nichts zu verstehen, aber viel, dessen man sich bedienen kann. Nichts
zu interpretieren und zu bedeuten, aber viel, womit man experimentieren kann.
Ein Buch muß mit etwas anderem 'Maschine' machen, es muß ein
kleines Werkzeug
für ein Außen sein." (Deleuze/Guattari
1977, S. 40)[19]
[19] Ein ambitioniertes Online-Projekt zu dem -
mit den Praktiken der Netzkultur in vielerlei Hinsicht stark verbundenen -
Denken von Gilles Deleuze bietet Deleuze:Immedia