In der Literatur der Aufklärung (Rabelais,
Sterne,
Cervantes)
avancierte die Fußnote
in den Salons
zu einem äußerst beliebten Trick, einem breitem Publikum die
verschiedensten Konversationspraktiken, Stile, Abschweifungen, Belehrungen und
ironische Anspielungen nahe zu bringen. Welche seltsam anmutenden
Konstruktionen durch extensiven Gebrauch von Fußnoten produziert werden
können, zeigen die unzähligen satirisch-literarischen
Entwendungen der Fußnotentechnik.[20]
Während die Intertextualität[21] der Kultur des Buchdrucks eine virtuelle
ist, die in literarischen Texten permanent von einem Text zum anderen
hergestellt wird, kann die gleichnamige im Netz konkret, flach und pragmatisch
genannt werden: die Dokumente/Fragmente 'treffen' sich wirklich - ein
link führt unmittelbar zu einer (oder zu mehreren)
Referenzstelle(n) im selben Text oder in anderen Texten. Die Poetik
eines links liegt keineswegs in der bloßen Anspielung oder in der
metaphorischen bzw. impliziten Bezugnahme, sondern sie vollzieht sich in einem
wirklichen Sprung, im Geschehen-Lassen assoziativer Konjunktionen, die eine
nomadische Poetik der Transportmittel
erlauben. Deshalb ist die oft vorgenommene Analogisierung zwischen der
klassischen Fußnote
und dem link in elektronischen Texten nicht zutreffend. [22]
[20] Sie gipfeln in `Fußnoten ohne Text',
eine Gestalt, die der vorliegende Text nur allzu gern angenommen hätte.
Vgl. hierzu auch Rehm 1964, S. 12, Anm. 7, zitiert nach Grafton 1995, S. 128,
der seinserseits noch einen Querverweis zu Stang 1992 anführt. Nicht
unerwähnt bleiben dürfen schließlich die vorzügliche
Wissenschaftssatire von Rieß (Rieß 1984) und auch die verschiedenen
Sprachspiele mit Fußnoten in Idensens Intertexten: So sind etwa bei
Idensen (Idensen 1996a,1996b) jeweils Fußnoten und Haupttext vertauscht,
während in einem weiteren Text von Idensen (Idensen 1998) der Haupttext
`nur' aus Zitaten besteht, mit Anmerkungen von `Autoren' in den Fußnoten.
Alle Texte finden sich auf der CD-ROM unter:
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