Die literarische und wissenschaftliche Prosa der Antike
verzichtete auf genaue Quellenangaben: die Universalgelehrten zitierten -
geschult in vorschriftlichen Diskurstechniken
- aus dem Gedächtnis und nicht auf der Basis vorliegender Texte.
Ähnlich der mündlichen Überlieferung hat diese Methode den
Vorteil der unmittelbaren Aktualisierung. Die zitierten Textstellen wurden
hierbei keinesfalls `wörtlich' weitergegeben, sondern erfuhren leichte
oder stärkere Veränderungen, je nach Maßgabe des neuen
Kontextes, in dem sie verwendet wurden. Erst im Mittelalter wurde dann die
`hohe Schule exakten Zitierens'
(auf der Basis eindeutig codierter Regeln der Quellenidentifizierung) zum
dominaten Stilmittel und mithin zur Vorform der heute gebräuchlichen
Zitierweisen.