Nach den Erschütterungen durch die Studentenbewegung
in den 60er Jahren und der Auflösung der großen ideologischen
Systeme in den 80er Jahren ist das universitäre Wissensgefüge
abermals in eine strukturelle und zugleich technologische Krise geraten. Die
sog. ,nachindustrielle` Informationsgesellschaft scheint sich wohl vom Modell
eines universellen Bildungsbegriffes endgültig zu verabschieden.
Jedenfalls gewinnt ein eher anwendungsbezogener, technisch-pragmatischer
Wissens- und Bildungsbegriff die Oberhand.[34]
Erste Anzeichen dafür, daß die Speicherung,
Übertragung
und Vernetzung
von kulturellen Wissensbeständen und Kommunikationsformen mittels
elektronischer Netzwerke einen Umbruch in der Epistemologie und den Methoden
der Wissensproduktion bedeuten wird - vergleichbar der Katalysatorfunktion des
Buchdrucks
im frühen modernen Europa, sind unübersehbar. Und es sei die
Hypothese erlaubt, daß die prinzipiell rhizomatische Verzweigungsstruktur
der im WWW zirkulierenden und sich situativ stets verändernden Hypertexte
der epistemologischen Baumstruktur
des hierarchischen Wissens[35] ebenso widerspricht wie den klassischen
Enzyklopädien[36], linearen
Erzählweisen
und pädagogischen Vermittlungsszenarien (einschließlich der
Architektur gewordenen Trennung von Zuhörern und Sprechenden in den
Hörsälen).
[ ]34 Vgl. hierzu Coy 1997, auf der
CD-ROM unter:
Coy, Wolfgang 1997: Zukunft des Wissens - Zukunft des Lernens